Achtsamkeit oder die Kraft des Bewusstseins nutzen

Was bedeutet Achtsamkeit? Wir essen zu schnell, wir verlieben uns zu schnell, wir werden mit unzähligen Informationen überflutet. Am Ende des Tages bleibt nur Erschöpfung. Nichts mag mehr richtig gelingen, das Leben zieht im Eiltempo vorbei, was bleibt ist Leere. 

Der Wunsch nach Veränderung wird in die Zukunft verschoben – aber Leben spielt sich nicht irgendwann ab – weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft – Leben geschieht im Heute, im Jetzt, im Augenblick. Vor diesem Hintergrund wird die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns zunehmend hinterfragt. 

Frühe Forscher der neuropsychologischen Vorgänge im menschlichen Körper wussten um die Bedeutung von Sinn(-haftigkeit) und seine Bedeutung auf das menschliche Handeln. Neben den biologischen Grundbedürfnissen, wie die Aufnahme von Nahrung und Wasser, Schlaf, dem Schutz vor zu großer Hitze oder Kälte gibt es die emotionalen Grundbedürfnisse, wie der Wunsch nach Bindung und Nähe, nach Orientierung und Selbstbestimmung, nach dem Erhalt des Selbstwertes und der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns, was als motivationaler Aspekt zum Erreichen eines Zieles und der Wahrnehmung dient. 

Ein Aspekt des Unwohlseins ist das Beurteilen von zukünftigen Ereignissen. Zu viel Energie wird darauf verwendet, negative zukünftige Ereignisse zu vermeiden. Dazu werden viele Vermeidungsstragegien angewandt, die zur Vermeidung irrealer negativer Erfahrungen dienen. Die Bedeutung, die verschiedenen, in der Zukunft liegenden Ereignissen beigemessen wird, versperrt oft die tatsächliche Sicht auf die Gegenwart. 

Der menschliche Organismus ist darauf ausgerichtet, den Körper und die Psyche im Gleichgewicht zu halten. Herrscht ein überproportionales Ungleichgewicht, wird der Mensch körperlich und psychisch krank. Die Befriedigung körperlicher und psychischer Grundbedürfnisse gehört daher zu den gesunderhaltenden Methoden, um im Gleichgewicht zu bleiben. 

Eine Technik, die interdisziplinär erfolgreich angewandt wird, ist das Verbessern der Aufmerksamkeit und damit des Bewusstseins. Aufmerksam zu sein bedeutet, mit allen Sinnen im gegenwärtigen Moment zu verweilen.

  • Bewusstsein: die Kraft des Augenblicks nutzen. Die Gegenwart genießen heißt, den Augenblick mit allen Sinnen wahrnehmen. Nur jetzt kann man fühlen, lachen, riechen – sich in seiner Lebendigkeit wahrnehmen. Nur jetzt kann mann handeln, aktiv sein, Beschlüsse fassen. Man versucht, nicht immer in einer anderen Zeit zu leben. Die Vergangenheit kann nicht mehr geändert werden und die Zukunft ist unbekannt. Zukunftsängste oder das Warten auf bessere Zeiten verschwenden wertvolle Lebensenergie, die sinnvoller genutzt werden kann.
  • Ziele: Unter Stress verengt sich der Horizont, wir entwickeln einen Tunnelblick. Die Folgen: wichtige Bedürfnisse können nicht mehr von künstlich provozierten Bedürfnissen unterschieden werden. Der Blick auf das, was wirklich wichtig ist, geht verloren und Beziehungen werden vernachlässigt. Zu definieren, was wirklich wichtig ist, hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und dem Unwesentlichen keine Bedeutung mehr zu geben. Man muss erneut das Gefühl für die Herzensdinge bekommen, seine natürlichen Lebensziele neu definieren und wieder das Gespür bekommen, was einem wirklich gut tut. 
  • Emotionen & Gefühle: Problematische und belastende Bindungen nehmen immer mehr zu. Beziehungen sollten bereichern und motivieren, nicht an den Kräften zehren und die Gedanken besetzen. Bequemlichkeit und gesellschaftlicher Druck lassen uns zu lange und zu oft in Beziehungen verharren, die schon längst zu Ende sind. Achtsamkeit tut Beziehungen gut, denn wir leben und sprechen in der Gegenwart und nicht ständig über das, was in der Vergangenheit passiert ist oder in der Zukunft passieren könnte. Sich ständig vergleichen, den Partner ändern wollen oder Erwartungen stellen, die nicht erfüllt werden können, sind weder einer Beziehung noch sich selbst gegenüber förderlich. 

Wie aber kann man diesen Mechanismen entgegenwirken?

  • Selbstorganisation: Wenn ich esse esse ich, wenn ich spreche spreche ich, wenn ich gehe gehe ich. Ein einfaches Prinzip der Achtsamkeit ist, sich immer nur einer Sache und dieser mit unserer ganzen Aufmerksamkeit zu widmen. Multitasking ist eine Illusion. Sich einer Aufgabe voll Hingabe zu widmen macht ruhig, stärkt die Konzentration und hebt die Laune. 
  • Ernährung: Die Fastfood-Kultur schadet nicht nur unserer Gesundheit, sie reduziert den Akt der Nahrungsaufnahme auf eine kurze Notwendigkeit. Über lange Zeit schadet falsche Ernährung nicht nur unserem Immunsystem, sondern hat auch Auswirkungen auf die Psyche und unser Verhalten. Die Zusammenhänge werden zunehmend Gegenstand von Forschung und Wissenschaft. Saisonale und regionale Lebensmittel gewinnen, neben dem eigenständigen Zubereiten und dem langsamen Zelebrieren, mehr und mehr an Bedeutung.
  • Arbeit: Arbeit verändert sich und die Bedeutung von Arbeit verändert sich. Es wird zunehmend von Bedeutung, dass der Arbeitsplatz mit dem Lebensstil kompatibel ist. Arbeit ist gelebte Zeit und nicht mehr Zweckmäßigkeit ohne Sinn und Qualität. Die Übergänge zwischen Arbeit und Privatleben sind fließender und die Arbeitsplätze verändern sich. Es ist wichtig zu fragen, ob man das, was man tut auch liebt oder ob man es nur tut, weil man es tun muss. 

Achtsamkeit bedeutet nicht willentliche, intentionale  Anstrengung zur Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung, sie bedeutet flexibles und intuitives Handeln. Achtsamkeit bedeutet nicht Kontrolle, sondern ein »Sich-Erlauben« im gegenwärtigen Augenblick zu sein und das Vorhandene bewusst wahrzunehmen. 

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen ganz deutlich, dass das Gehirn Zeit braucht, um Informationen einzuordnen und das Eingeordnete zu verarbeiten und neu zu ordnen. Dazu braucht es Ruhe, Gelassenheit und eine Atmosphäre der Akzeptanz dh nur beobachten und nicht bewerten, nur hineinfühlen und keine Rückschlüsse auf die Zukunft ziehen. Als einziges Organ kann das Gehirn über sich selbst nachdenken. Es ist Sammelsurium und Schaltzentrale und es birgt die wunderbare Chancen in sich, ein achtsames Leben zu führen und den Herausforderungen des Alltags resilient zu begegnen. 

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