Arbeit & Leben im Wandel – Interview

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:Allgemein
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare

Arbeitsplätze sind nicht nur einem großen Wandel unterzogen, die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben, vor allem aber Qualität, wie man Zeit verbringt, wirft viele Fragen auf. Als Anstoß dient nicht zuletzt die wirtschaftliche und politische Unsicherheit der Gegenwart. Alles wofür der Kapitalismus und die westliche Welt stehen, wird in Frage gestellt. Man denkt über den Sinn des Lebens und der Arbeit nach, gelebte Zeit wird wichtig. Werte bekommen wieder einen Platz im Alltag und nicht zuletzt die große Frage »was macht wirklich glücklich?« verlangt nach vernünftigen Antworten. Mögliche Fragen könnten sein: »wie kann ich Zeit besser nutzen«, »wie kann ich mich besser spüren«, »wie kann ich meinem Alltag Sinn geben«, »wie kann ich mich als Mensch wahrnehmen« und ganz wichtig »wie wirkt sich mein Leben auf meine Gesundheit aus«. Sehr oft bekommt man in diesem Zusammenhang, sozusagen als Nebenprodukt, heraus, dass es oft die kleinen Dinge sind, die die größte Freude und das größte Glück bereiten. 

Frage: Welche kleinen Dinge könnten das sein?

Das Vogelgezwitscher am Morgen, ein schönes Gespräch, ein gemütliches Abendessen, ein gelungener Tag im Job, ein Treffen mit einem Menschen, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe, der Geruch einer Blume, Zeit mit einem lieben bzw. geliebten Menschen … das sind Dinge die unser Herz berühren.

Sie sind sozusagen Spezialistin für menschliche Emotionen aber sie befassen sich auch mit den Auswirkungen von Stress in der Arbeit, Stress beim Lernen bzw. Prüfungsstress, Stress durch falsche Ernährung und die direkten Auswirkungen von Stress auf das Gehirn, die frühkindliche Gehirnentwicklung und damit unser aller Denken und Handeln.

Ja, die Emotionsforschung ist ein Gebiet, in dem man mit Vielem in Berührung kommt wie zB dem Umgang mit Emotionen und Gefühlen, dem Einfluss von Emotionen auf unser Denken und unsere Entscheidungen, auf unsere Beziehungen, auf unsere Haltungen, wie mit Zeit und mit meinem Leben umgegangen wird. Schon Sigmund Freud widmete sich der Frage:»Sind wir wirklich Herr in unserem Haus?« Eine spannende Frage übrigens in der Gehirn-, Bewusstseins- und Emotionsforschung gleichermaßen. 

Das ist ein breitgefächertes Thema

Ja, weil Emotionen Einfluss auf alle Bereiche unseres Lebens nehmen. Stellen sie sich vor, es gäbe keinen Emotionen und Gefühle mehr – dann gäbe es keine Kunst, keine Musik, keine große Literatur, kein Lernen, keine Beziehungen und kein Überleben. Sie sehen, Emotionen machen den Menschen zu dem, was er ist und was er tut, von dem er geleitet wird, in allen Facetten des Menschseins.

Was hat das mit Stress oder besser, mit deinem besseren Umgang bzw der Vermeidung von Stress zu tun?

Stress greift direkt dort ein, wo psychische und körperliche Befindlichkeiten sozusagen »verwaltet« werden, im Gehirn. Stress hat direkte Auswirkungen auf unsere psychische und körperliche Gesundheit. Man kann sich das Gehirn als hochkomplizierten Informationsprozessor vorstellen. Jede Information, die über unsere fünf Sinne ins Gehirn gelangt wird verarbeitet, bewertet und über dementsprechende erforderliche Befehle weitergeleitet. Das können Befehle an die Muskeln sein, als Aufforderung  von Flucht oder Kampf oder aber es kommt zur Produktion körpereigener Botenstoffe, die von allen Organen des Körpers verstanden werden. Erkennt das Gehirn eine Gefahrensituation, werden diese Aktionen sozusagen als Alarmstufe I eingestuft und es wird entsprechend reagiert. Manchmal genügt  allerdings schon der Gedanke an eine Gefahr als Auslöser für sogenannte Stressreaktionen wie zB Angst. 

Wie kann man damit im Alltag umgehen – man kann ja nicht sein ganzes Leben ändern?

Das ist auch nicht notwendig und vor allem nicht realistisch. Was man aber tun kann ist Akzente setzen, aussortieren, das Leben nach Prioritäten ordnen – man muss ja nicht überall dabei oder überall der oder die Beste sein, nicht überall die beste Leistung bringen und vor allem sich nicht jedem und überall beweisen. Das kann man lernen, in kleinen Schritten, die schnell zu großen Erfolgen führen können. 

Wie geht das?

Es gibt einige Methoden, die Erfolg versprechen – umsetzen muss man diese Methoden natürlich selbst – den Weg dorthin kann man nicht abkürzen. Die Methoden wurden von mir entwickelt und den menschlichen Bedürfnissen angepasst. Sie  versprechen keine Wunder sind aber effektiv und vor allem alltagstauglich. 

Können Sie ein Beispiel nennen?

Vorerst sollte das, was man tut, Sinn machen. Sinn ist ein Motivator, der das eigene Handeln für sich rechtfertigt, es für gut befindet. In einem zweiten Schritt sollte das, was Sinn macht, auch geübt werden, es sollte sozusagen zur Gewohnheit gemacht werden und dann, in einem dritten Schritt, das innhaft Erworbene immer wieder ver- und gestärkt werden, immer wieder, bis es automatisiert ist. 

Das klingt eigentlich einfach – aber ist es das wirklich?

Unser Körper, und da gehört die Psyche untrennbar dazu, hat einen wunderbaren Mechanismus, den man sich zu nutze machen kann, der Wunsch auf Regulierung und damit Selbstheilung. Das Prinzip ist in verschiedenen Disziplinen nicht ganz unbekannt. Der Physiker Moshe Feldenkrais hat daraus mehr als 5000 Übungen entwickelt, die den Körper sozusagen an seinen gesunden Zustand erinnern und mit Hilfe gezielter Übungen den »Selbstheilungsprozess« einleiten. Hat man erst einmal den Mechanismus erstanden, dann ist es tatsächlich einfach. 

Schreibe einen Kommentar