Hör‘ auf Dein Herz

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Brigitte war 58 Jahre alt als ihr ihr Arzt mit wenig Feingefühl eine Herzinsuffizienz bestätigte. Sie war erschöpft, frustriert, traurig, mit einem Wort war ihr Leben mit dieser Diagnose »abgeschlossen«. Was folgte, waren schlaflose Nächte, Ängste, körperliche Erstarrung und der Verlust des Vertrauens in den eigenen Körper generell.

Wie konnte das nur sein? Ihr Herz, das sie immer für so stark hielt, das ihr Kraft gab zeigte Schwäche. 

In der Nacht wachte sie auf und hörte ihren Herzschlag – bumm, bumm, bumm und plötzlich stolperte es, schien auszusetzen. Da sprach sie mit ihm, das erste Mal in ihrem Leben.

Bereits in der Antike, Aristoteles nannte es das Seelenorgan, erkannte man die metaphorische Bedeutung des Herzens als Sitz der Seele und der Gefühle. Gefühle und Emotionen nehmen Einfluss auf das Herz. Diese Erkenntnis hat erst kurz Einzug in die moderne Kardiologie genommen. 

Die Messung der HRV (Herzratenvariabilität) wird in der Stressprävention, im Leistungssport und als tägliche »Kontrollinstanz« eingesetzt.

Dr. Peter Hauschild hat sie als »das Sichtfenster in das Autonome Nervensystem« bezeichnet. Allgemein bezeichnet man HRV als ein 24-STunden-Messinstrument, das auf die äußeren (körperlichen) und inneren (psychischen) Signale reagiert und diese aufzeichnet. Sie bietet eine Möglichkeit, die »autonome chronobiologische Rhythmik nichtinvasiv zu beobachten«. Da das autonome Nervensystem, so wie alle Funktionen im Körper ständig versucht, sich zu regulieren, sind Veränderungen, in diesem Regulierungssystem erste Anzeichen dafür, dass mögliche Krankheitsprozesse bereits eingeleitet wurden dh zu diesem Zeitpunkt hat man die Möglichkeit zu reagieren. 

Ähnlich wie es eine Darm-Hirn-Achse gibt, spricht man in der Wissenschaft auch seit einigen Jahren von einer Herz-Hirn-Achse. In den verschiedensten Kulturen, die meistens mit einem alten Heilwissen ausgestattet sind, gehörte es dazu, wollte man den Menschen gesund erhalten und sein größtes Potential erschließen, wusste man um den harmonischen »Gleichklang« von Verstand und Herz.

Studien aus der Neurokardiologie und seit neuestem aus der Psychokardiologie haben ergeben, dass das Herz nicht nur ein äußerst leistungsstarkes sondern auch ein sehr sensibles Organ ist. Gedanken und Gefühle aber auch Schmerz, Angst und Ärger können sich in Erkrankungen manifestieren. Mit seinen bislang erforschten 40.000 neuronalen Verschalungen ist es fähig, zu empfinden, zu lernen und sich zu erinnern. 

Rollin McCarty vom Institute of Heart Math postulierte: »Das Nervensystem im Herzen ermöglicht es dem Herzen, unabhängig von der Großhirnrinde zu lernen, zu erinnern und Entscheidungen zu treffen. Außerdem haben zahlreiche Experimente demonstriert, dass die Signale, die das Herz ununterbrochen zum Gehirn sendet, die höheren Gehirnfunktionen, die mit Wahrnehmung, Kognition und der Verarbeitung von Emotionen befasst sind, maßgeblich beeinflusst werden.« Mehr noch weiß man heute, in welche enger Verbindung das Herz durch das Nervensystem (neurologisch), durch das Bindegewebssystem, durch Hormone und neurochemische Botenstoffe, durch den Blutdruck und die Pulswellenlaufzeit im Blutstrom mit dem Gehirn verbunden ist. 

Auch aus biologischer Sicht sind die Aufgaben des Herzens weit größer, als bisher angenommen. Es pumpt nicht nur große Mengen an Blut durch unseren Körper und versorgt somit die Organe mit den nötigen Nährstoffen. Es werden, so wie im Gehirn Neurotransmitter und Hormone ausgeschüttet, die Einfluss auf den ganzen Körper nehmen: Noradrenalin, Dopamin und Oxytocin, bekannt auch als das sogenannte »Liebeshormon«, das maßgeblich an allen engen Beziehungen beteiligt ist. 

Sollten also all die Mystiker, Heiler, weisen Männer und Frauen doch Recht behalten, wenn das Mysterium des Herzens beschreiben?

Das ganze Universum ist im Körper enthalten

Der ganze Körper im Herzen

Mehr als jedes andere Organ repräsentiert das Herz den Einfluss auf Psyche und Körper. Es hat die Fähigkeit zu motivieren und reagiert äußerst sensibel auf depressive Zustände. Wie stark, hat die Medizin zunehmend erkannt. Innerhalb der Kardiologie hat sie die Psychokardiologie als eigene Disziplin entwickelt. 

Christoph Herman Lingen schreibt: »Die  frühere kardiologische Haltung, der psychosomatische Zugang, sei nichts als ein überflüssiger Luxus, können wir heute getrost als überholt ansehen.«

Der Franzose Jean-Pierre Hoppe gilt als der Begründer der Psychokardiologie. Als Kardiologe hat er immer versucht, den Menschen ganzheitlich zu sehen.  Dazu machte er eine Ausbildung in Psychotherapie, in theatralischer Improvisation, in einer von Jung inspirierten Psychoanalyse um daraufhin all diese Elemente zusammenzufügen und eine neue Disziplin zu gründen, die Psychokardiologie, die sich auf den Einfluss von psychosozialem Stress (Stress, Angst, Depression) auf den Patienten konzentriert. 

Die menschliche Spezies hat zwei Millionen Jahre überlebt, weil sie sich psychologisch und physisch angepasst hat. Stress ist ein Indikator der uns das Überleben gesichert hat. In der heutigen Ausprägung kann er ernsthaft Konsequenten für den Einzelnen haben. 

Darum – auf das Herz hören – es weiß weit mehr um unsere Befindlichkeiten und ist ein Ratgeber, auf den wir mehr achten sollten.  

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