NARZISSMUS kulturelles Phänomen oder Persönlichkeitsstörung?

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:Allgemein
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare

Umgangssprachlich verkommt das Wort „Narzissmus“ zu einem Synonym für Ich-Bezogenheit, Selbstverwirklichung, Größenwahn, Manipulation, Gleichgültigkeit und Rücksichtslosigkeit anderen gegenüber.

Aber was ist Narzissmus wirklich? Ist er eine Art Selbstverwirklichung und eine Anpassung an die Gesellschaft im Allgemeinen oder ist er ein krankhaftes Verhalten, sich ohne Rücksicht, arrogant und auf Kosten anderer in den Vordergrund zu rücken?

Der pathologische Narzissmus ist eine Persönlichkeitsstörung. Die Persönlichkeit ist die Summe von Verhaltensweisen, Einstellungen, Werten und Motivationen, die einen Menschen charakterisieren. Geprägt werden sie durch angeborene Grundeigenschaften, Erziehung und dem sozialen Umfeld. Bei einer Persönlichkeitsstörung treten eine Reihe anormaler und pathologischer Charakterzüge in einer solchen Intensität auf, dass sie eine beträchtliche seelische Störung und Störungen in den zwischenmenschlichen Abläufen bewirken. 

Laut einer öffentlichen Studie der University of Buffalo unter der wissenschaftlichen Leitung von Emily Grijalva wurden über 30 Jahre lang 475 000 Probanden auswertet und drei Aspekte der narzisstischen Persönlichkeitsstörung herausgearbeitet: Führungsanspruch (authority), Angeberei (exhibitionism) und Anspruchsdenken (entitlement). Bei Letzterem tendieren Männer eher dazu andere auszubeuten (materiell und seelisch) und auf gewisse Privilegien Anspruch zu erheben. Weitere typische Allgemeinmerkmale sind psychische Erregtheit, ein Aufmerksamkeitsbedürfnis und ein Misstrauen, das schon an Paranoia grenzt, was wiederum mit der Borderline-Persönlichkeit verwechselt werden könnte. Sie sind von ihrer Überlegenheit wirklich überzeugt dh sie empfinden sich als schöner, intelligenter und bedeutender als die Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung, was unwillkürlich zu schwerwiegenden Konflikten führt. Solche Menschen sind der Meinung, dass ihnen alles zusteht, dass sie sich alles erlauben können und maßen sich eine Menge alltäglicher Privilegien an. Sie finden es normal, von kleinen Begünstigungen zu profitieren. Ihre Meinung von sich selbst ist so hoch, dass die glauben, Normalsterbliche seien unfähig sie zu verstehen.

Ihre Wahrnehmung zu anderen ist dichotomisch dh entweder werden diese bis zur Idealisierung bewundert oder sie verachten sie, außer sie versprechen sich irgendeinen Nutzen von ihnen. Die fehlende Empathie für die Bedürfnisse und Wünsche des Umfelds bringt sie dazu, andere bewusst oder unbewusst auszubeuten oder Menschen zu erniedrigen, wenn sie ihnen unterlegen erscheinen. 

Pathologischen Narzissten fällt es schwer, eine „normale“ Liebesbeziehung einzugehen. Ihr vorwiegendes Ziel ist es, die eigene Person aufzuwerten. 

Der Beginn einer Liebesbeziehung mit Narzissten ist oft vielversprechend: ER ergeht sich in schönen Worten, macht wunderbare Versprechungen, vermittelt dem anderen die Illusion einzigartig zu sein und lässt ihn glauben, unersetzbar zu sein. Schon bald platzt die Blase – er wirkt wenig liebevoll, bringt sich wenig bis gar nicht in die Beziehung ein, achtet nicht auf die Bedürfnisse des Anderen. Er ist zu keiner echten Nähe und zu keiner echten Zuneigung fähig und will vor allem, dass man sich um ihn kümmert, ihn bewundert, ihn unterstützt oder ihn bedauert. Im Gegenzug erhält man keinerlei Achtung und Aufmerksamkeit. Verlangt der Partner nach mehr Achtung, beginnt der Narzisst sich zu beklagen und aufzuwerten.

,Wenn er Kinder hat, tragen diese zur Aufwertung seines eigenen Bildes bei und er sieht sie als eine Erweiterung seiner selbst. Töchter werden meist hofiert und zum Partner gemacht. Hingegen werden Partnerinnen oft zu Kindern gemacht, um in der Hierarchie über ihnen zu stehen. 

Wie aber entwickelt sich ein pathologischer Narzissmus? Man geht von einschneidenden „Erlebnissen“ in der Kindheit aus:

  • Emotionale Vernachlässigung
  • Überbewertung des kindlichen Handelns
  • Mangel an elterlicher Aufmerksamkeit
  • Anerkennung wird nur über Leistung erreicht
  • Kinder tun alles, um die Erwartungen der Eltern zu erfüllen
  • Selbstzweifel sind ständige Begleiter
  • Sie wollen den Eltern beweisen, dass sie durchaus zu großen Leistungen fähig sind 
  • Aufgrund mangelnder Akzeptanz durch die Eltern kommt es zu einem Gefühl der Leere, Scham und des Neides
  • Ein Kind weiß nicht was es ist und was es selbst will
  • Verwöhnung trägt zur Entwicklung eines pathologischen Narzissmus teil

Ein Narzisst weiß weder was er fühlt noch welche Bedürfnisse er hat. Er hat sich nie als Persönlichkeit empfunden und er hat selten rebelliert. Normalerweise sind Kinder die rebellieren gesunde Kinder.

Pathologische Narzissten haben Partnerinnen die sehr unterstützend sind. Sie stellen ihr eigenes Leben zurück, tun, was diese ihnen abverlangen, glauben immer daran, dass der Partner sich ändern wird. Wachen die Partner dann auf, kommt es zu Konflikten.Die psychische Gewalt ist subtil und sie verursachen beim Partner zutiefst schwerwiegende Verletzungen.Bei Kritik arbeitet diese in ihm weiter und wenn die Gelegenheit kommt, macht er den „Kritiker“ nieder. Eine wirkliche Beziehung hält er nicht aus, er empfindet sie als Bedrohung. 

Bei Arbeitsplatzverlust bricht alles zusammen, was über Jahre sein Selbstwertgefühl aufrecht erhalten hat. Diese Krise wird als persönliche Niederlage verstanden. Mit dem Job hat er gleichzeitig das Instrument zur Kompensation verloren. Seine gesamte Person ist in Frage gestellt und das ist extrem schwer für ihn auszuhalten. Narzissten sind gefangen in ihrer selbstgemachte Realität. 

Wie kann man aber nun als PartnerIn aus diesem „Teufelskreis“ ausbrechen?

  • Als Erstes muss man die Realität, dass der/die PartnerIn an einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung leidet, anerkennen
  • Du musst Dir sicher sein dass DEINE Gefühle richtig sind 
  • Du musst Deine eigenen verletzten Gefühle heilen
  • Du musst wieder an Dich glauben
  • Du musst wieder vom Kind zum Erwachsenen werden
  • Du musst wieder lernen das zu sagen was Du denkst – ohne Angst und ohne Bedenken
  • Du musst wieder lernen, dass eine Beziehung auf Augenhöhe beruht – horizontal 
  • Du bist gut so wie Du bist – da gibt es nichts zu verbessern und nichts zu ändern
  • Denke an Dich und Deine mentale und körperliche Gesundheit
  • Das Leben ist schön und es gibt wieder eine Zukunft – eine Zukunft ohne den Narzissten

Um das Bild wie man einer toxischen Beziehung mit einem Narzissten entkommt zu versinnbildlichen möchte ich zu einem Zitat des „Ministers für ökologischen und solidarischen Übergang“ Nicolas Hugo aus Frankreich in seiner Abschiedsrede vom September 2018 zitieren:“Wagen wir die Utopie. Nach der Ära des Exzesses wird die Zeit der Mäßigung kommen.Vielen Menschen wird auf ihre Weise bewusst, dass wir unsere Lebensweise ändern müssen, dass wir unsere Art zu konsumieren mit unserer Umwelt in Einklang bringen müssen und dass wir die anderen akzeptieren müssen.“ Das ist der Weg, um die Pathologie des Narzissmus zu überwinden. 

Schreibe einen Kommentar