Sucht

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Vor drei Jahrzehnten war Sucht noch ein klar definiertes Feld und wurde in Verbindung mit harten Drogen wie Heroin, Kokain, Alkohol und Nikotin gebracht, die psychisch abhängig machen und zum Teil sehr schnell zu einer körperlichen Abhängigkeit führen und den sogenannten weichen Drogen wie Cannabis und LSD, die mit geringerer Wahrscheinlichkeit körperlich abhängig machen aber dennoch zu einer psychischen Abhängigkeit führen können.

Heute hat Sucht ein breitgefächertes Feld und ist längst keine Randerscheinung mehr sondern längst in der Mitte der Bevölkerung angekommen. Sind wir nicht alle »süchtig« nach Alkohol, Nikotin, Essen, Beruhigungs- und Schlafmittel, Sex, Sport, Arbeit, Anerkennung, Beziehungen oder Spiele? Mit einem Wort fast alles was wir tun, kann in einer Sucht enden.

Warum aber verfallen Menschen, wieder besserem Wissen, einem Verhalten, von dem sie genau wissen, dass es ihnen nicht gut tut, ja das ihnen in höchstem Maße schadet?

Das Gehirn ist der Schlüssel zu unserem Suchtverhalten und dieses steht wiederum in engem Zusammenhang mit unserem Gefühlen und Emotionen.

Grundsätzlich will der Mensch Schmerz und Leid verhindern und Freude empfinden. Das ist ein Urbedürfnis, das seinen Teil dazu beiträgt, das Überleben zu sichern. Dazu bedient er sich verschiedener Methoden. Zu Beginn greift er vielleicht ein Mal zum Glas Wein, zum Joint oder der Zigarette, um sich nach einem anstrengenden Tag oder belastenden Ereignissen »herunterzuholen«, doch schon bald wird dabei ein sich wiederholendes und damit erlerntes Verhalten. Die »Bahnen« im Gehirn sind angelegt und werden bei jeder Wiederholung tiefer. Dr. Marc Lewis, ein ehemaliger Drogensüchtiger und Neurowissenschafter geht diesbezüglich einen neuen Weg, dem ich mich zu 100% anschließen kann:»Was alle diese Muster gemeinsam haben ist der tiefgreifende Lernprozess, der ihnen anhängt – eine Reihe von Annahmen darüber, was man braucht, um durch den Tag zu kommen. Dieser Lernprozess wird durch die Wiederholung immer wieder vertieft und so entsteht letztendlich die Sucht. Das Ganze hat jedoch nichts mit einer Krankheit gemeinsam. Man kann jegliche Sucht überwinden und das bedeutet, dass es hier nur um neuronale Formbarkeit geht. Man kehrt nicht dahin zurück, wo man vorher war, denn bei Entwicklung gibt es keinen Rückwärtsgang. Stattdessen lernt man, seine Impulse zu steuern und eignet sich neue kognitive Verhaltensweisen an. Jeglicher Lernprozess beinhaltet Veränderungen in den Synapsen – bestimmte Synapsen werden entweder erschaffen oder bestärkt und bestimmte Synapsen, die nicht gebraucht werden, verkümmern oder Verschwinden ganz.«

Am Ende noch ein paar Worte über die Stigmatisierung von »Sucht«. Menschen, die süchtig sind, sind NICHT schwach, genetisch vorbelastet, lebenslang krank oder unterliegen einem fürchterlichen Schicksal, dem sie nicht mehr entrinnen können und das ihnen ein Leben lang anhaftet.

Bei Abstinenz geht es um neuronale Formbarkeit, das Gehirn ist bereit, sich einen anderen Weg zu suchen, wenn es die süchtig machende Substanz nicht mehr bekommt. Und diesen neuen Weg können wir steuern, denn im Herzen des Präfrontalen  Kordex sitzt das Corpus striatum, der Streifenkörper. Und dieser wird, laut Marc Lewis, als der „Motor der Sucht“ bezeichnet und der Benzin dieses Motors ist das Dopamin. Bei Tätigkeiten, die als angenehm empfunden werden wird er aktiv zB beim Sex, beim Essen oder eben auch beim Trinken von Alkohol. Aber er entscheidet nicht, ob dieses Gefühl nun schädlich oder nicht schädlich für unseren Körper ist. Es geht in erster Linie einfach um das Gefühl. 

Sucht ist kein unausweichliches Schicksal, es ist eine Herausforderung, der man sich stellen kann, jetzt …

 

 

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